Pfeifen und Tabak
Der Tabak und das Gerät, in dem er brennt: Diese Kategorie spannt die große Klammer des Pfeifenbereichs – knapp 1.300 Produkte. Bei den ausdrücklich klassifizierten Produkten stehen knapp 470 Pfeifentabake neben gut 30 Schnupftabaken und 11 Kautabaken; auf der Geräteseite tragen allein knapp 130 Produkte Bruyèreholz als Material. Weiterlesen: alles über Pfeifen und Tabak
-
- Tabakstärke mild
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Vanille
- Schnittart Mixture
- Tabakstärke mild
- Aromatisiert Nougat, Vanille
- Tabakstärke mild
- Raumduft (1-5) 3
- Tabak Burley, Black Cavendish, Virginia
- Schnittart Mixture
- Raumduft (1-5) 5
- Aromatisiert Vanille
- Aroma Vanille
- Tabakstärke mild
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Exotische Früchte
- Tabak Burley, Virginia
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Vanille
- Aroma Vanille
- Tabakstärke mild
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Kirsche
- Tabak Burley, Black Cavendish, Virginia
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Schokolade, Vanille
- Aroma Schokolade, Süß, Vanille
- Tabak Burley, Black Cavendish, Virginia
- Schnittart Mixture
- Tabakstärke mild
- Raumduft (1-5) 4
- Aromatisiert Kiefernholz, Orange, Honig
- Material Baumwolle
- Tabak Burley, Cavendish, Virginia
- Schnittart Loose Cut, Ready Rubbed
- Raumduft (1-5) 2
- Aroma Süß
- Tabak Burley, Black Cavendish, Virginia
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 4
- Aromatisiert Vanille
- Tabak Burley
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Kirsche
- Aroma Kirsche, Süß
- Tabak Black Cavendish, Virginia
- Schnittart Mixture
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Kirsche
- Tabak Burley, Virginia, Kentucky
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 4
- Aroma Blumig
- Tabak Burley, Black Cavendish, Virginia
- Schnittart Mixture
- Raumduft (1-5) 5
- Aromatisiert Orange, Pfirsich
- Tabak Burley, Black Cavendish, Golden Virginia
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Vanille
- Tabak Black Cavendish, Golden Virginia
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 4
- Aromatisiert Vanille
- Aroma Süß
- Tabak Black Cavendish, Golden Virginia
- Schnittart Mixture
- Raumduft (1-5) 4
- Aromatisiert Vanille
- Aroma Vanille
- Tabak Burley, Black Cavendish, Virginia
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Vanille
- Tabak Black Cavendish, Virginia
- Schnittart Mixture
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Honig
- Tabak Cavendish, Virginia
- Schnittart Curly Cut
- Raumduft (1-5) 2
- Aroma Süß, Würzig
- Tabak Virginia
- Schnittart Loose Cut
- Raumduft (1-5) 3
- Aromatisiert Exotische Früchte
- Tabak Burley, Virginia, Latakia
- Schnittart Loose Cut
- Tabakstärke medium
- Aroma Schokolade, Vanille
Pfeife und Tabak: zwei Hälften eines Handwerks
Gut 70 Marken teilen sich das Feld, von der schottischen Traditionsmarke bis zur deutschen Kleinstmanufaktur.
Dass beides zusammensteht, hat einen handfesten Grund: Welcher Tabak wie schmeckt, entscheiden Sorte, Schnitt und Mischungstyp – wie er brennt, entscheiden Kammer, Bohrung und Form der Pfeife. Entlang dieser Achsen trennt sich das Sortiment.
Die Tabakseite: vier Grundsorten, ein Baukasten
Virginia: der Zucker im Blatt
Virginias Sonderstellung ist ein Produkt der Trocknung: Beim Flue-Curing trocknet das Blatt in geschlossenen Scheunen unter kontrollierter Hitze und Feuchtigkeit in etwa fünf Tagen, während Lufttrocknung 40 bis 60 Tage braucht – das Tempo konserviert den natürlichen Zucker im Blatt. Im Sortiment ist Virginia die mit Abstand häufigste Einzelsorte: knapp 40 Produkte deklarieren ihre Mischung als reinen Virginia. Mac Baren nennt Virginia den meistgerauchten Tabak der Welt – und benennt zugleich seine Schwäche: Steigt die Rauchtemperatur zu stark, wandelt sich der Zucker in Säure, und der Rauch wird scharf. Wer Virginia raucht, raucht deshalb langsam – keine Stilfrage, sondern Chemie.
Burley und Cavendish: die Träger
Die häufigste Rezeptur der ganzen Kategorie ist keine reine, sondern eine dreiteilige: Burley, Black Cavendish und Virginia zusammen sind bei gut 70 Produkten hinterlegt, dazu kommen gut 40 Produkte mit Black Cavendish und Virginia sowie gut 20 mit Burley und Virginia. Burley bildet das Gegenstück zum Virginia: rund sechs Wochen luftgetrocknet, wobei der Zucker fast vollständig abgebaut wird – und mit seinem pH-Wert um 7 genau das Werkzeug, mit dem Mac Baren die Säure des Virginia gezielt abpuffert. Den Geschmack beschreibt das Haus als mittel- bis vollmundig mit deutlicher Kakaonote; wörtlich heißt es dort: Soll die Mischung etwas stärker werden, kommt mehr Burley hinein.
Für die aromatisierte Hälfte des Sortiments zählt eine zweite Eigenschaft: Burleys dickere Blätter nehmen mehr Soße und Aromen auf als Virginia – deshalb bildet er die klassische Basis aromatisierter amerikanischer und dänischer Pfeifentabake. Cavendish wiederum ist gar keine Tabaksorte, sondern ein Verfahren: Tabak wird mit Feuer oder Dampf erhitzt und stark gepresst, was die natürlichen Zucker verstärkt; benannt ist es nach Sir Thomas Cavendish, der der Legende nach im 16. Jahrhundert Tabak in Zucker tauchte. Amerikanische, holländische und dänische Cavendish-Varianten werden zusätzlich aromatisiert, englischer Cavendish bleibt unaromatisiert.
Kentucky, Perique, Orient: die Würztabake
Damit stehen die Träger – gewürzt wird aus der dritten Gruppe, Tabaken, die kaum jemand pur raucht: dem Gewürzregal des Blenders. Dark-Fired Kentucky hängt mehrere Wochen im Dauerqualm von Hartholzfeuern, typisch Eiche, Hickory und Ahorn; das Blatt ist schon roh zuckerarm, ölreich und würzig und wird durch das Feuertrocknen kräftig und herzhaft-rauchig. Im Sortiment verteilt er sich auf viele Rezepturen mit jeweils wenigen Produkten – am häufigsten zusammen mit Virginia und Perique (fünf) oder mit Burley und Virginia (vier); nur mit Virginia kombiniert ihn etwa der Mac Baren HH Old Dark Fired.
Perique ist der seltenste der Würztabake: Er wächst und fermentiert ausschließlich im St. James Parish in Louisiana. Das Druckfermentations-Verfahren geht auf den Kreolen-Farmer Pierre Chenet in den 1820er Jahren zurück, seit den frühen 1900ern fermentiert man in Whiskyfässern – über ein Jahr lang; beim Pressen läuft mindestens 20 Tage Flüssigkeit aus dem Fass, während der Tabak sichtbar blubbernd fermentiert. Nur noch zwei aktive Betriebe arbeiten dort, einst waren es rund 200. Dosiert wird Perique sparsam, üblich sind 5 bis 15 Prozent; hier tragen ihn acht Produkte in der Kombination Virginia und Perique und fünf aus Black Cavendish, Virginia und Perique.
Orienttabak schließlich wird Blatt für Blatt geerntet, auf Schnüre gezogen und in der Sonne getrocknet – nach etwa fünf Tagen sind die Blätter trocken. Verwendet wird er wegen seiner würzigen, leicht süßen Note; die bekanntesten Provenienzen heißen Basma, Drama, Izmir, Samsun, Xanthi und Yenidje. Aus dem Orienttabak entsteht zudem der auffälligste Würztabak von allen – der geräucherte Latakia, dem der nächste Abschnitt gehört. Im Sortiment steht er am häufigsten zusammen mit Virginia (elf Produkte), mit Black Cavendish, Virginia und Orient (acht) sowie mit Black Cavendish und Virginia (sieben); Beispiele im Regal sind der Samuel Gawith Squadron Leader, der Mac Baren HH Latakia Flake und die Rattray's-Klassiker Red Rapparee und Black Mallory.
Drei Dinge, die „LATAKIA — Der würzige Zufall" über Latakia sagt
Der deutsche Pfeifenblog Rallis Pfeifengeschichte(n) hat unter dem Titel LATAKIA — Der würzige Zufall aufgeschrieben, wie der rauchigste aller Pfeifentabake entstand und warum er heute anders schmeckt als früher. Drei Punkte daraus:
- Am Anfang stand ein Zufall. Der Legende nach lagerten Bauern in Al-Ghab im Westen Syriens im November 1890 einen Ernteüberschuss in Verschlägen und hielten ihn mit Räucherfeuern trocken; im Frühjahr entdeckten sie ein Aroma nach Wein, Kräutern und Holzrauch. Der Basistabak ist die Orient-Unterart Shekk-el-Bint, geräuchert heißt er auf Syrisch „Abourihm", König des Geschmacks.
- Das Holz bestimmt den Charakter. Syrischer Latakia wurde 13 bis 15 Wochen über Aleppo-Kiefer, Zerreiche und Valonia-Eiche geräuchert. Zyprischer Latakia entsteht zu rund 90 Prozent über Mastix-Sträuchern, ergänzt um Myrte, Zypresse und Zirbe – daher sein prägnanterer, süßerer, ledriger Charakter.
- Das Ende des syrischen Latakia kam durch Raubbau. Für die Räucherfeuer wurde massiv abgeholzt, Erosionsschäden folgten; Anfang der 1980er Jahre ruhte die syrische Produktion zeitweise, nach 2000 endete sie ganz.
Quelle: rallis.blog: „LATAKIA — Der würzige Zufall“
Mischungstypen: was „englisch", „dänisch" und „deutsch" wirklich bedeutet
Die Etiketten der Mischungstypen sind keine Geschmacksbeschreibungen, sondern Geschichte. „Englisch" hat einen historischen Ursprung: Bis 1986 kam in England kein Aroma an den Tabak – „englisch" wurde zum Synonym für unaromatisierte, meist Latakia-haltige Mischungen. Die Gegenkategorie ist der Aromat: eine Mischung mit tabakfremder Kopfnote, aufgebracht im letzten Produktionsschritt, meist auf Burley-Cavendish-Basis.
Der dänische Stil entstand aus der Not. Nach dem Krieg von 1864 verlor Dänemark mit Schleswig und Holstein seine Tabakanbaugebiete; 1901 eröffnete B.A.T. ein Werk in Kopenhagen, ab Mitte der 1930er kamen alkoholische Aromen hinzu, ab Mitte der 1960er revolutionierte Black Cavendish den Stil. Sein Kennzeichen ist das Component Blending: Jede Sorte wird einzeln aromatisiert, traditionell mit Invertzucker aus den dänischen Kolonien Santa Cruz, St. John und St. Thomas. Den Prototyp lieferte Mac Baren: Die „Mixture" kam im April 1958 auf den Markt und vereint mehr als 35 verschiedene Tabakblätter. Wie viel Arbeit in so einer Rezeptur steckt, beschreibt Mac Barens Master Blender Per Georg Jensen: Ein neuer Blend könne aus 12 bis 20 verschiedenen Tabaken bestehen – und brauche mindestens ein Jahr bis zur Reife.
Die „deutsche Mischung" entstand in den 1970er Jahren für Filterpfeifenraucher: deutlich intensiver aromatisiert, mit verstärktem Black-Cavendish-Anteil und Fokus auf Süße und Raumaroma. Holländische Mischungen mit ihrer würzig-zigarrigen Note aus indonesischen Tabaken hielten sich bis in die 1970er – dann verdrängten die dänischen sie.
Im Sortiment ist die aromatisierte Fraktion genau vermessen: Vanille führt mit gut 20 Produkten, danach folgen Kirsche (gut 15), Whiskey (elf) und Honig (zehn); dahinter verteilt sich das Feld auf viele Einzelnoten und Kombinationen, bis hin zu Kuriositäten wie Kaktus oder Balsamico. Bei Aromastärke wie Tabakstärke dominiert die Mitte: knapp 200 Produkte medium-aromatisch (gut 95 mild-aromatisch, knapp 75 medium-kräftig, nur 3 kräftig), gut 120 Produkte medium vor mild (gut 70), stark, sehr mild und sehr stark. Auch der Raumduft ist fünfstufig erfasst: gut 190 Produkte tragen die 3, rund 100 die 4, gut 90 die 2; die Extremstufen 1 und 5 bleiben selten. Die Tabake selbst stehen gebündelt in der Unterkategorie Pfeifentabak.
Der Schnitt: wie derselbe Tabak anders brennt
Zwischen Rezeptur und Rauch steht die Mechanik des Schnitts. Die Verteilung: Mixture ist mit knapp 190 Produkten hinterlegt, Loose Cut mit gut 100, Flake mit gut 55, Ready Rubbed mit gut 40, Broken Flake mit gut 15 und Curly Cut mit sieben, dazu kommen Cross Cut und Cube Cut. Kombinierte Schnittangaben wie Loose Cut mit Ready Rubbed bleiben die Ausnahme.
Eine Mixture kombiniert verschiedene Schnitte, Tabake und Aromen mit einem handfesten Ziel: den Abbrand zu homogenisieren – leicht brennbare Tabake erhalten langsamer brennende Schnitte und umgekehrt. Der Flake dagegen ist gepresste Geschichte: Auf langen Seereisen zerfiel Tabak zu Staub, also tränkten Seeleute ihn mit Zuckerwasser oder Rum und pressten ihn zu kompakten, haltbaren Blöcken, von denen sie Scheiben abschnitten. Die moderne Produktion arbeitet kaum anders, nur kontrollierter: Der Tabak wird gedämpft, hydraulisch zu etwa 1,5 Zoll dicken Blöcken gepresst, 8 bis 24 Stunden unter Druck gehalten und danach rund einen Monat unter Druck gelagert, damit sich die Aromen verbinden – erst dann wird in dünne Scheiben geschnitten und von Hand verpackt. Ready Rubbed ist vom Hersteller bereits aufgeriebener Flake: Er liegt zwischen Flake und Ribbon, lässt sich ohne Vorbereitung stopfen und gilt deshalb als einsteigerfreundlichste Form gepressten Tabaks. Curly Cut wird aus einem gepressten, gesponnenen Tabakstrang in dünne Scheiben geschnitten und verlangt beim Stopfen etwas Übung; Cube Cut, gewürfelter Presstabak meist aus Burley, brennt besonders langsam. Wer es unkompliziert mag, bleibt beim lockeren Schnitt. Verpackt wird überwiegend klassisch: knapp 340 Produkte kommen in der Dose, knapp 50 im Tabakbeutel.
Die Markenlandschaft: von Perth über Kendal nach Lauenburg
Hinter Dosen und Beuteln stehen die Marken – die größte ist Rattray's mit knapp 110 Produkten. Die Marke geht auf den schottischen Blender Charles Rattray zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts einen Tabakladen in Perth übernahm; seit 1989 fertigt Kohlhase & Kopp die Tabake in Rellingen nach den Originalrezepten. Von Rattray selbst ist der Leitsatz „All good Mixtures are dry" überliefert – neun seiner Originalmischungen sind bis heute erhalten, und ein guter Teil davon liegt hier im Regal: Red Rapparee, Black Mallory, 7 Reserve, 3 Noggins, Accountants' Mixture, Hal o' the Wynd und Old Gowrie. Unter demselben Rellinger Dach lebt Robert McConnell weiter, 1848 in London gegründet und mit gut 40 Produkten die fünftgrößte Marke der Kategorie.
Kleinteiliger arbeitet die deutsche Gegenwart. HU Tobacco – gut 50 Produkte – begann 2011, als Hans Wiedemann auf der Pfeifenmesse in Lohmar erstmals seine Serien vorstellte; später folgten die mit afrikanischen Tabakkomponenten gebaute Africa Line, hier mit Blends wie Asmara, Indaba und Zulu vertreten, und ab 2020 eine Aging-Serie, deren fertige Mischungen zwei Jahre reifen. Seine Arbeitsweise beschreibt Wiedemann selbst so: „Als erstes entsteht ein Blend bei mir im Kopf" – und zur Balance: Es genüge nicht, dass ein Kentuckyblend nach Kentucky schmecke, die Primäraromen müssten ausbalanciert werden. Dan Tobacco wiederum baute 1991 wegen Chargenschwankungen zugekaufter Tabake eine eigene Produktion auf – in einem über 100 Jahre alten Malzhaus am Elbhang in Lauenburg, wo auch die Flakes komplett im Haus gepresst werden.
Aus England stammt die älteste Manufakturgeschichte des Sortiments: Samuel Gawith geht auf Thomas Harrison zurück, der 1792 mit rund 50 Tonnen gebrauchter Maschinen – Baujahr um 1750 – aus Glasgow nach Kendal zog; 1965 stufte ein Ingenieursfachblatt die noch täglich laufenden Maschinen als älteste regulär genutzte Industriemaschinerie ein. Wie vorindustriell dort gearbeitet wird, zeigt der 1792 Flake: Je sieben Pfund handentrippte dark-fired Blätter aus Tansania werden gedämpft, gepresst und der Presskuchen zwei bis drei Stunden unter Volldampf „gebacken". Aus Übersee kommt Cornell & Diehl, 1990 entstanden, als Craig und Patty Tarler die Reste einer alten Tabakfirma samt Rezeptkartei in einen Van luden und in ihrer Garage in Pennsylvania neu starteten; heute führt Head Blender Jeremy Reeves die Produktion. Und aus Kopenhagen stammt W.O. Larsen: Wilhelm Øckenholt Larsen eröffnete 1864 mit 26 Jahren sein Tabakgeschäft, nur rund 300 Meter vom Königsschloss entfernt, und stieg zum Hoflieferanten des dänischen Königshauses auf – daher die Krone im Markenlogo. Das Geschäft existiert nicht mehr, die Marke lebt in den Blends weiter, allen voran der Perfect Mixture 1864.
Dazwischen füllen die mittleren Namen das Feld: Mac Baren wurzelt in einer 1826 in Svendborg eröffneten Tabakfabrik, die Harald Halberg 1887 übernahm – der Überlieferung nach hatte der Vorbesitzer die Fabrik beim Poker verspielt, und der Gewinner tauschte sie gegen ein Pferd und ein Fass Whisky; seit Juli 2024 gehört das Haus zur Scandinavian Tobacco Group. Die STG hält seit 2018 auch die Peterson-Tabakmarken, die in 52 Ländern verkauft wurden – der Peterson Old Dublin gehört hier zum Sortiment. Danske Club, Solani, G.L. Pease, Stanwell und Davidoff Pfeifentabak runden das Bild ab.
Die Pfeifenseite: Wurzelholz, Form, neun Millimeter
Bruyère: 30 Jahre Vorlauf für einen Pfeifenkopf
Wer eine Bruyèrepfeife in die Hand nimmt, hält rund 30 Jahre Wachstum darin: So lange braucht die Maserknolle der Baumheide Erica arborea, die zwischen Stamm und Wurzel wächst, bis Fußballgröße. Geerntet wird im Winter, dann 12 bis 24 Stunden im Kupferbottich gekocht – das entzieht die bitteren Gerbstoffe – und ein bis zwei Monate getrocknet; etwa zwei Drittel jeder Knolle sind Abfall. Begehrt sind die Maserbilder Straight Grain, Flame Grain und Bird's Eye. Um 1860 verbreitete sich die Kunde vom neuen „Wunderholz" von Frankreich aus nach England und Übersee – seither ist Bruyère der Standard des Pfeifenbaus, auch hier: knapp 130 Produkte der Kategorie sind aus Bruyèreholz, weitere gut 50 kombinieren es mit Acryl und Metall, gut 20 mit Acryl, knapp 20 mit Metall. Die Alternative Meerschaum – mineralogisch Sepiolith aus der Region um Eskişehir in Anatolien, aus bis zu 80 Meter tiefen Gruben geholt, sehr leicht und kühl rauchend – kommt im Sortiment nur vereinzelt vor.
Form, Haltung, Maße
Die Billiard, häufigste gerade Pfeifenform und der Archetyp, von dem viele andere abgeleitet sind, führt auch hier: gut 50 Produkte tragen die klassische Kopfform. Dahinter folgen Classic, Rhodesian, Apple, Diplomat und Poker; auch Prince, Dublin und Bulldog sind vertreten. Die Dublin erkennen Sie an der konischen Kammer, in der sich die Aromen zum Ende hin konzentrieren; die Bulldog mit Diamant-Schaft und Doppelrille am Kopf entstand im England des späten 19. Jahrhunderts. Quer dazu liegt die Haltungsfrage: knapp 95 Pfeifen sind als straight hinterlegt, gut 80 als bent, rund 65 als half-bent. Bei den Längen bündelt sich das Feld zwischen 130 und 155 Millimetern – 145 und 150 Millimeter sind die häufigsten Werte; die verbreitetste Kammerweite ist 20 Millimeter, das Füllvolumen liegt meist im mittleren Bereich. Beim Mundstück dominiert Acryl klar über Kautschuk, bei den Farben Schwarz und Braun vor Dunkelbraun und Rotbraun.
Die Hersteller und der deutsche Filterstandard
Die auffälligste Zahl der Geräteseite ist eine Bohrung: knapp 220 Pfeifen tragen eine 9-Millimeter-Zapfenbohrung – der Filterstandard, eine Nürnberger Erfindung. Vauen, mit gut 55 Produkten vertreten, geht auf die 1848 von Karl Ellenberger und Carl August Ziener gegründete erste deutsche Pfeifenfabrik zurück; 1901 fusionierte sie mit der Pfeifenfabrik Gebhard Ott zu den Vereinigten Pfeifenfabriken Nürnberg, 1909 entstand der Markenname aus den Initialen V und N, 1911 kam der weiße Punkt aufs Mundstück. 1934 zeigte Vauen als Weltneuheit den ersten 9-mm-Aktivkohlefilter „Dr. Perl", 1968 folgte der konische Conex-Zapfen – in Spitzenzeiten verkaufte das Haus rund 150 Millionen Dr.-Perl-Filter pro Jahr. Dass dasselbe Haus mit der „Diamond" auch die erste 3D-Druck-Pfeife der Welt vorgelegt hat, zeigt die Spannweite.
Die zweite große Ingenieursgeschichte kommt aus Dublin: Charles Peterson, ein aus Riga stammender Holzhandwerker, entwickelte Anfang der 1890er Jahre sein „System" – eine höher gesetzte Rauchbohrung plus Feuchtigkeitsreservoir im Schaft; 1898 folgte das P-Lip-Mundstück, das den Rauch nach oben lenkt. 2018 wurde Kapp & Peterson zweigeteilt: Die amerikanische Laudisi Enterprises übernahm die Pfeifenfabrik in Dublin, die Tabakmarken gingen an die Scandinavian Tobacco Group. Italien steuert Savinelli bei: Achille Savinelli Sr. eröffnete 1876 in der Mailänder Via Orefici eines der weltweit ersten reinen Raucherwaren-Geschäfte, 1948 gründete die Familie die eigene Fabrik; von Savinelli stammt außerdem der dreieckige 6-mm-Balsaholzfilter, der Kondensat ohne Zusatzstoffe aufsaugt. Dänemark erzählt mit Stanwell eine Kriegsgeschichte: Poul Nielsen begann 1942 mangels importierbaren Bruyères mit Pfeifen aus heimischem Holz und benannte die Firma 1948 in das englisch klingende Stanwell um; Formen des Kopenhagener Meisters Sixten Ivarsson machten die Marke zum ersten großen Exporteur des dänischen Pfeifendesigns. Daneben stehen Barling, Chacom – der europäische Partner, der auch Rattray's-Pfeifen fertigt –, Rossi, Ilsted und Poul Winslow.
Am Rand der Kategorie: Schnupf- und Kautabak
Zwei Namen tragen die rauchlose Minderheit der Kategorie: Pöschl Snuff mit gut 25 Produkten und Oliver Twist mit 6 – zusammen sind gut 30 Produkte als Schnupftabak klassifiziert, 11 als Kautabak. Die Sortimentslogik bleibt dieselbe: Auch Schnupftabake unterscheiden sich nach Stärke und Aromatisierung, gepflegt in denselben Attributen wie beim Rauchtabak.
Woran Sie sich orientieren
Drei Fragen sortieren die Tabakseite. Erstens der Mischungstyp: unaromatisiert mit Latakia in Richtung englisch, aromatisiert auf Burley-Cavendish-Basis in Richtung dänisch – bei den Aromaten führt Vanille. Zweitens der Schnitt, denn er entscheidet über Handhabung und Abbrand: Mixture und Loose Cut für den unkomplizierten Griff, Flake und Curly Cut für alle, die Vorbereitung nicht scheuen. Drittens Stärke und Raumduft, deren Schwerpunkte mit „medium" und der Duftstufe 3 klar in der Mitte liegen.
Auf der Geräteseite genügen zwei Griffe: das Material samt Maserung – Bruyère ist der Normalfall – und die Frage Filter oder nicht, sprich die 9-Millimeter-Bohrung. Form, Länge und Farbe sind danach Geschmackssache im Wortsinn: Zwischen gerader Billiard und halbgebogener Rhodesian liegt kein Besser oder Schlechter, nur die Frage, wie die Pfeife in Ihrer Hand liegt – und wie viel Zeit Sie ihr geben.